Jahreskreis

2. Februar 
Darstellung des Herrn
Jesus wurde nach dem mosaischen Gesetz in den Tempel gebracht, und zwar am 40. Tag nach der Geburt, der damit auf den 2. Februar fällt. (vgl. Lk 2,22-40). Die im Lukasevangelium geschilderte Begegnung zwischen dem Messias des Neuen Bundes (Jesus Christus) und dem Gottesvolk des Alten Bundes (Hanna und Simeon) gab dem Fest auch den ersten Namen: Fest der Begegnung des Herrn.

In Deutschland heißt das Fest auch Lichtmeß, weil es mit einer Kerzenprozession verbunden ist. Diese geht auf eine alte heidnische Sühneprozession in Rom zurück, die alle fünf Jahre Anfang Februar rund um die Stadt führte. Das Licht im christlichen Gottesdienst nimmt auf den Evangeliumsbericht Bezug, in dem Jesus von dem greisen Simeon als "Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung Israels" begrüßt wird.

 

25. März
Verkündigung des Herrn
Im Lukasevangelium kündigt der Engel Gabriel der Jungfrau Maria die Geburt eines Kindes an. Das Fest der "Verkündigung des Herrn" liegt neun Monate vor Weihnachten.

Der 25. März ist im Bewußtsein der Katholiken ein Marienfest. Bis zur Liturgiereform 1969 hieß das Fest auch "Maria Verkündigung".

Das Fest hat einen spezifisch religiösen Inhalt: daß eine Jungfrau ein Kind gebiert, das keinen irdischen Vater hat. Diese Vorstellung war in verschiedenen Epochen faszinierend, heute stößt sie eher auf Skepsis und wird von den Theologen häufig "entmythologisiert". Neue Bewegungen, die die alten Mythen wieder ausgraben, sich mit Druiden, Feen und magischen Künsten beschäftigen, interessieren sich wieder für die Gestalt der jungfräulichen Mutter. Der Gedanke, daß in jedem Menschen ein göttlicher Funke wirksam ist, daß der Mensch Anteil hat an der Transzendenz, am Prinzip des Geistigen, findet sich in vielen Philosophien und Religionen. Maria wird durch den Gruß des Engels als begnadeter Mensch ausgewiesen.

"Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir" (Lk 1,28)

In dieser Anrede sehen die Katholiken die Freiheit Marias von aller Sünde, auch von der Erbsünde, begründet. Der Engel verheißt Maria, daß sie den ersehnten Messias gebären wird, der über das "Haus Jakob in Ewigkeit herrschen" wird. Dieses Kind empfängt Maria nicht von einem Mann:

"Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden." (Lk 1,35)

 

Dreifaltigkeitsfest
Die Bibel und auch Jesus kennen den Begriff Dreifaltigkeit (Latein = Trinitas, griechisch Trias) nicht. Gleichwohl gibt es dort die Rede von Gott, dem Vater; an vielen Stellen ist vom Heiligen Geist die Rede; und da ist Jesus, in dem sich - nach Überzeugung und Erfahrung der Christen - Gott selbst geoffenbart hat.

Sehr bald drängte sich die Frage auf, wie denn diese drei Realitäten zueinander stehen, wie sie zusammenhängen und zusammengehören. Dabei geht es primär darum, den Glauben an einen einzigen Gott zu betonen und zu bewahren. Und auf der anderen Seite geht es darum, den besonderen Anspruch Jesu, seine einzigartige göttliche Dimension zu bewahren und zu verdeutlichen. Dieses Problem dominierte die theologische (und auch kirchliche und politische) Auseinandersetzung der ersten 500 Jahre. Vor allem auf den ersten drei großem ökumenischen Konzilien in

  1. Nizäa (325)
  2. Konstantinopel (381)
  3. Ephesus (431)


versuchte man einer Klärung näherzukommen.

Klar war und ist: Christen glauben an einen Gott. Außer dem einen gibt es keinen anderen und schon gar keine drei Götter. Bildhafte Darstellungen (Gott-Vater als alter Mann, ein Kreuz auf dem Schoß haltend, an dem Jesus hängt und über beiden schwebend eine Taube oder ein dreiköpfiger Gott) haben diesem Irrtum allerdings Vorschub geleistet.
bullet Gott, den Christen mit Jesus "Vater" nennen, ist und bleibt dieser eine Gott, der Herr der Welt, der Schöpfer des Alls und Grund allen Seins.
bullet Der Mensch Jesus, "uns in allem gleich", wie die Bibel sagt, "außer der Sünde", zeigt, wie Gott dem Menschen begegnet, mit ihnen und für sie da ist.
bullet Der Heilige Geist ist die Kraft Gottes im Menschen, der göttliche Funke, die Seele von Glaube, Hoffnung und Liebe. Dieser Geist Gott begegnet uns auf der Innenseite allen Seins.
Gott steht der Welt, der Schöpfung, der Materie nicht nur gegenüber. Er ist in ihr präsent und wirksam. Diese drei Daseinsweisen? Erfahrungsweisen? (wie will man Unaussprechliches aussprechen?) darf man nicht auseinanderreißen und zu drei getrennten göttlichen Realitäten werden lassen. In Jesus begegnet dem Menschen wirklich und real und tatsächlich der Anspruch des einen und einzigen und ewigen Gottes. Andererseits darf man sie aber nicht ,in einen Topf werfen", vermengen: Jesus ist voll und ganz Mensch. Er erlitt Folter und Tod, nicht der Vater (Irrlehere des Patripassianismus). Es ist eben nicht alles dasselbe; wiewohl uns in allem derselbe begegnet.

Berühmt geworden ist der Definitionsversuch des vierten ökumenischen Konzils von Chalcedon (451) mit vier Verneinungen Eckmarkierungen festzulegen:

Unvermischt und unverwandelt (für die Eigenständigkeit)
und ungetrennt und ungeschieden (für die Einheitlichkeit)

 

Fronleichnam
Das Fronleichnamsfest gilt als eine typisch katholische Einrichtung. In einer Prozession an einem Donnerstag im Frühsommer wird die Eucharistie, die konsekrierte Hostie (eine "in Fleisch und Blut Jesu" verwandelte Brotscheibe) in einer Monstranz feierlich unter Gesang und Gebet durch die Sraßen getragen. An vier Stationen ("Altären") wird angehalten, das Evangelium verlesen und Fürbitten gesprochen, sowie der Segen gespendet.

Diese "eucharistische Frömmigkeit" war der frühen Kirche fremd. Für sie hatte die Eucharistie ihren exklusiven Platz im Gemeindegottesdienst. Das Fronleichnamsfest hat seine Wurzeln in der am Beginn des zweiten Jahrtausends entstandenen eucharistischen Frömmigkeit und geht auf eine Vision der Juliana von Lüttich zurück (1209), die in einem Traum die Kirche in Gestalt einer weißen Mondscheibe sah, in der ein kleines Stück fehlte. Dieses fehlende Stück war für sie ein gesondertes eucharistisches Fest.

1264 schreibt Papst Urban dieses Fest für die ganze abendländische Kirche vor. Der Name bedeutet Fron (=Herren) Leichnam (entgegen der modernen Bedeutung nicht toter sondern gerade umgekehrt: lebender Leib). Der Feiertag wurde im Hinblick auf die Einsetzung der Eucharistie durch Jesus bei der Abendmahlsfeier am Donnerstag vor Ostern auf einen Donnerstag gelegt.

 

2. Sonntag nach Pfingsten
Herz-Jesu-Fest
Die Darstellung des Herzens Jesu in der Volksfrömmigkeit kann das Verständnis erschweren: Man sieht die geöffnete Brust, darin das blutrote Herz mit einer Flamme wie bei einem Öllämpchen. Herz meint in der Bibel und der Frömmigkeit nicht das Organ, sondern ist Symbol der Personmitte. Herz ist Ausdruck der ganzen Person, seinen Fühlens und Wollens, seines Liebens und Leidens. Die Flamme steht für die sich selbst verzehrende Liebe.

Im Kreuzigungsbericht wird geschildert, daß die Seite Jesu und sein Herz mit einer Lanze durchbohrt worden sei, um seinen Tod festzustellen. Das dabei aus der Seite ausgeflossene Wasser deuten "die Väter", die großen klassischen Theologen der frühen Kirche, als jene Paradiesströme, von denen das erste Buch der Bibel, Genesis 2,10-14 berichtet.

Das Herz Jesu, der Kern seines Wesens ist somit das Paradies, der Raum, den Gott ursprünglich für den Menschen geschaffen hat, der Raum der Liebe Gottes, in dem der Mensch glücklich leben und lieben hätte können. So wie Gott die Quelle des Lebens ist, aus dem biblisch-bildlich ausgedrückt vier Ströme entspringen, die den ganzen Garten, das Paradies umschließen, so ist Jesus Quell göttlichen Lebens.

Vor allem im deutschen Raum findet im frühen Mittelalter die "Verehrung des heiligsten Herzens Jesu" große Verbreitung, vor allem in der Deutschen Mystik (ab 1250), dann erneut um 1500 durch die Karthäuser und im 16 Jhdt. schließlich durch die Jesuiten.

Die Visionen der Maria Margareta Alacoque (gestorben 1690), in denen sie den Auftrag erhielt, sich für ein öffentliches, allgemeinkirchliches Herz-Jesu-Fest einzusetzen, führten dazu, daß 1856 Pius IX dieses Fest für die ganze Kirche verbindlich einführte. Zur Hundertjahrfeier veröffentlichte Papst Pius XII 1956 die Enzyklika "Haurietis aquas..."(Ihr werdet Wasser schöpfen...")

Das Herz-Jesu-Fest findet am 2. Sonntag nach Pfingsten statt. Der jeweils erste Freitag des Monats ist der Herz-Jesu-Freitag.

 

2. Juli
Mariä Heimsuchung
oder Besuch Marias bei Elisabeth

Entstehung
Das Fest ist im Westen aus der mittelalterlichen Marien-frömmigkeit heraus entstanden. 1263 hat es der Franziskaner-orden eingeführt. 1389 wurde es auf die ganze abendländische Kirche ausgedehnt.

Aussage
Der Inhalt des Festes ist der Bericht über den Besuch Marias bei Elisabeth (Lk 1,39-56). Das Datum liegt daher in der Nähe des Festes von Johannes dem Täufer am 24. Juni. Der Besuch Marias, wenige Tage nach der Ankündigung der Geburt Jesu durch den Engel, wird im Evangelienbericht als Begegnung zwischen dem Messias und dem letzten Propheten des Alten Bundes dargestellt. Elisabeth sagt zu Maria:

"In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib." (Lk 1,44)

 

15. August
Mariä Himmelfahrt
oder Mariä Aufnahme in den Himmel

Entstehung
Der Todestag eines Heiligen war von jeher auch dessen Gedenktag. Im Osten wurde das Fest schon im 5. Jahrhundert gefeiert und war bald staatlicher Feiertag im byzantinischen Reich. Der 15. August war der Marienfeiertag der Jerusalemer Kirche.

Aussage
Der Glaube, daß Maria als ganzer Mensch die Endgültigkeit der Erlösung erlangt hat, daß ein Glied der Kirche bereits das Leben lebt, zu dem alle berufen sind, ist bereits im 5. Jahrhundert bezeugt. Maria ist wie Jesus gestorben, aber sie konnte nicht im Grab bleiben. Alttestamentliche Berichte, nach denen Henoch (Gen 5,24) und Elias (2 Kön 2,11-14) in den Himmel aufgenommen wurden, stützen diesen Glauben (s.o., S. 251).

 

8. August
Mariä Geburt
Das Datum leitet sich vom Kirchweihtag einer Jerusalemer Kirche her, die der heiligen Anna, der Mutter Marias, geweiht war. Der Platz, auf dem die Kirche steht, gilt in einigen Traditionen als Ort der Geburt Marias.

 

14. September
Fest der Kreuzerhöhung

Anthropologische Grundlagen
Das Kreuz ist zunächst ein Folterwerkzeug. Die Christen sehen aber in ihm nicht nur das Schreckliche, sondern auch das Zeichen der Erlösung. Das Kreuz wird nicht nur von den Christen als religiöses Symbol gebraucht. In vielen Religionen ist es ein Glücks- und Heilszeichen, steht als Symbol des Lebens, kann aber auch Fluch bedeuten.

Bezug zur Öffentlichkeit
Das Kreuz ist in der Öffentlichkeit an vielen Orten präsent. Das Kreuz ist zu einem Symbol geworden, das für Religiosität steht - für die christliche Glaubenshaltung.

Entstehung des Festes
Das Fest ist sehr alt, es wurde bereits im 4. Jahrhundert gefeiert, auch schon am 14. September, an dem die Kaiserin Helena, Mutter Konstantins, das Kreuz Jesu in Jerusalem gefunden haben soll. Eine Kreuzverehrung in Jerusalem ist seit der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts bezeugt. Von dem Jerusalemer Kreuz gelangten Teile über Konstantinopel in viele Städte des Abendlandes. Das Kreuz wurde von den Persern 614 geraubt, von Kaiser Heraklius 628 zurückgewonnen und ging endgültig 1187 in einer Schlacht des II. Kreuzzuges in Palästina verloren, als es als Feldzeichen mitgeführt wurde. Das Kreuz wurde den Gläubigen zur Verehrung gezeigt, desgleichen in Kirchen, die eine Kreuzreliquie aufbewahren. Diese feierliche Zeremonie wird als "Erhöhung des Kreuzes" (exaltatio crucis) bezeichnet.

Aussage des Festes
Das Fest stellt das Kreuz als Zeichen des Heils in den Mittelpunkt: Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. Durch ihn sind wir erlöst und befreit. Im Fest der Kreuzauffindung erinnern sich die Christen des historischen Ereignisses, das an etwas Materiellem festgemacht werden kann. Die Kreuzreliquien, die von dem in Jerusalem verehrten Kreuz genommen wurden, stellen eine Verbindung zu dem historischen Ereignis her, das zugleich Ereignis der Erlösung ist. Zum Bestandteil des Festes gehört die Legende von der Kreuzauffindung; es entstanden auch andere Legenden über Heilswirkungen der Kreuzreliquien. Mit dem Kreuz verbinden sich auch Vorstellungen der Dämonenabwehr. Ein Kreuz im Haus oder auf dem Stall bringt Segen.

 

Das Erntedankfest
hat seinen Ursprung nicht nicht in biblischen Ereignissen oder theologischen Erwägungen, sondern ist ein Fest, das durch die Natur und die Jahreszeiten bestimmt wird.

Im Herbst - meist an einem Sonntag im Oktober - werden die Erntegaben zusammengetragen und Gott nicht nur allgemein für seine Fürsorge und Liebe den Menschen gegenüber gedankt. Konkret wird ihm gedankt für das Gedeihen(lassen) der vorliegenden Früchte. Wir werden uns dabei der Aufgabe zur Bewahrung der Schöpfung bewußt (vgl. Gen 1,28; 2,15).

Dieses Fest zeigt uns, daß unser tägliches Brot gar nicht so alltäglich ist, sondern erarbeitet werden muß. In dieser Gesinnung feieren wir die große Danksagung (= Eucharistie) vor dem Schöpfer der Welt.

 

1. November
Allerheiligen

Nach christlicher Überzeugung sind alle Getauften, alle mit Gott verbundenen Menschen "heilig". Solange Menschen leben, ist diese "Heiligkeit" gefährdet: Menschen wenden sich von Gott ab (und in der Folge meist auch von den Menschen). Im Tod entscheidet sich das Schicksal des Menschen auch immer und ewig. Im Tod wird der Mensch wörtlich end-gültig. Auch seine ,Heiligkeit" ist dann unabänderlich, unverlierbar: Er lebt ,im Himmel" und das meint: Er lebt in Gott und aus ihm und mit ihm; er ist ganz von Gott durchdrungen.

An diese ,Heiligen" wird meist gedacht, wenn in der Umgangssprache von Heiligen die Rede ist. Aber auch jeder Lebende, der sich Gott öffnet und ihm in seinem Leben Raum und Platz gewährt, ist ebenso heilig. Insofern nennt sich die Kirche ,Gemeinschaft der Heiligen".

Kirche als lebendiger Organismus (Sie versteht sich als ein Leib und nicht als eine bürokratische Organisation) umfaßt die "sichtbare Kirche" (so nennt sie die irdische Organisation und die Gemeinschaft der gegenwärtig Lebenden) und die "unsichtbare Kirche" (also den himmlischen Anteil inklusive Jesus, der das "Haupt" dieses Organismus ist, während die Getauften die "Glieder" sind.)

Der Allerheiligentag - so sehr an ihm auch der verstorbenen Kirchenmitglieder gedacht wird - ist dennoch kein Totengedenktag, sondern der "Namenstag" aller Getauften.

 

2. November
Allerseelen

Der Allerseelentag am 2. November geht auf den Abt Odilo von Cluny zurück, der 998 das Gedächtnis aller verstorbenen Gläubigen für alle Cluny unterstellten Klöster anordnete. An diesem Tag gedenkt die Kirche der Verstorbenen. Sie tut dies auf dem Hintergrund und in enger zeitlicher und inhaltlicher Verbundenheit mit dem Allerheiligenfest, einem an die Auferstehung und ewiges Leben erinnernden Fest.

An Allerheiligen und Allerseelen besuchen die Christen ihre Gräber, schmücken sie und zünden Lichter (Zeichen des Lebens, der Hoffnung) an. Besonders gedenkt die Volksfrömmigkeit in diesen Tagen der Verstorbenen, der "armen Seelen", die noch im Fegefeuer sind und dort von ihren Unvollkommenheiten und von Schuld gereinigt, geläutert werden.

Die Vorstellung eines Zwischenreiches zwischen dem Jenseits, dem endgültigen Aufenthaltsort der Toten, und dem Reich der Lebenden findet sich in vielen Religionen. Die Lebenden können den Toten auf ihrem Weg in den endgültigen Zustand helfen. Dieser Weg wird als Befreiung verstanden. In die christliche Vorstellung vom Fegefeuer sind Vorstellungen der Religionen des Mittelmeerraumes, vor allem die über den "Hades", eingegangen.

 

Sonntag vor dem ersten Advent
Christkönig

Am Ende des Kirchenjahres, d.h. am Sonntag vor dem 1. Advent, wird in der katholischen Kirche das Hochfest vom Königtum Christi gefeiert. Das Christ-Königs-Fest wurde durch Papst Pius XI. 1925 eingeführt. Am Ende des Kirchenjahres beinhaltet das Christkönigsfest einen Ausblick auf das Ende der Zeiten, wenn Jesus seine Königsherrschaft in vollem Umfang ausübt. Dann ist das Reich Gottes verwirklicht.

Es erfüllen sich die alttestamentlichen Verheißungen, die mit der Erwartung eines Messias verbunden waren.Die Aussage, daß Jesus der Christus, der Gesalbte, ist, bedeutet für das Judentum, daß Jesus der Messias ist, der verheißene neue David. Der Messiastitel ist für den Juden ein Königstitel, wenn der Messias auch prophetische Züge trägt. Es ist aus dem Evangeliumsbericht nicht sicher abzulesen, ob Jesus sich selbst als Messias bezeichnet hat. Wahrscheinlich hat er das nicht getan. Das Selbstverständnis Jesu läßt sich auch nicht mit dem Messiastitel allein wiedergeben.

Jesus ist aufgetreten mit dem Anspruch, eine neue Zeit anzukündigen. Er hat vom Reich Gottes gesprochen, das kommen soll und schon anfänglich da ist. Dieses Reich Gottes, das Matthäus Basileia, Königsherrschaft nennt, hat Jesus in engem Zusammenhang mit seiner Person gesehen. Mit ihm kommt das Reich Gottes, er ist nicht nur einer, der die Gottesherrschaft ankündigt. Die Jünger Jesu hatten diese Herrschaft als ein politisches Erstarken Israels verstanden, das zur Vertreibung der Römer und zur Aufrichtung einer neuen Regierung führen würde. Die Hinrichtung Jesu als gemeiner Verbrecher hat diese Erwartungen radikal enttäuscht. Die Ostererfahrungen bedeuten für die Jünger einen neuen Anfang. Gott hat Jesus nicht im Tod gelassen. Jesus hat durch sein Sterben und seine Auferstehung den Tod überwunden. Er ist zum Herrn, Kyrios, eingesetzt. Die Dimensionen seiner Herrschaft umfassen den ganzen Kosmos, auch die Welt der Engel sowie die ganze Geschichte. Ostern ist im Verständnis der Bibel auch die Einsetzung Jesu als Kyrios. Das Christ-Königs-Fest hat daher keinen anderen Inhalt als Ostern.

Die Anerkennung des Kyrios Jesus beinhaltet für die Christen auch eine Relativierung aller Könige und Kaiser und der von ihnen repräsentierten staatlichen Macht. Die Christen haben den Staat entsakralisiert, der König, der Kaiser, hatte für sie keine religiöse Funktion, sie konnten in den Augen der Christen kein Heil vermitteln. Das mußte zwangsläufig zu einem Konflikt mit dem römischen Staat führen, wie später auch mit den verschiedenen Staatsideologien, die dem Menschen mehr als eine geordnete Lenkung des Gemeinwesens und die Sorge für das bonum commune versprachen. Neben der Relativierung der staatlichen Macht haben die Christen im Verhalten Jesu auch einen Maßstab für jede Herrschaftsausübung gesehen. An diesem Maßstab haben sie nicht nur die weltlichen, sondern auch die kirchlichen Herren gemessen. Die Sorge Jesu für die Armen und Kranken, sein Eintreten für Gerechtigkeit, seine Bereitschaft zu vergeben, beschreiben zugleich das Idealbild eines Königs.

 

 

 
 
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