Osterfestkreis

40 Werktage vor Ostern
Aschermittwoch

Das Aschenkreuz wird in einem Gottesdienst am Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit ausgeteilt. Der Sinn dieses Ritus zeigt sich im Text, den der Priester spricht, wenn er den Gläubigen mit Asche das kleine Kreuz auf die Stirn zeichnet.

Die dabei verwendete Asche wird gewonnen, indem man die Palmen (in der Regel Buchsbaumzweige) verbrennt, die am Palmsonntag des Vorjahres gesegnet worden waren. Der Priester spricht: "Gedenke Mensch, daß Du aus Staub bist und zum Staub wirst Du zurückkehren." (oder "Kehrt um und glaubt dem Evangelium")

Die Fastenzeit ist eine Zeit der Besinnung auf das Wesentliche:
  • Wer bin ich?
  • Was macht mein Leben aus?
  • Woran hänge ich?
  • Was bleibt am Ende?
  • Worauf kommt es an?
  • Was von dem, was mein Leben ausmacht, was mir wichtig scheint, wovon mir der Kopf schwirrt... was von all dem hat Bestand angesichts der banalen Tatsache, daß ich eines Tages werde sterben müssen?

 

Fastenzeit
Die christliche Fastenzeit dauert vierzig Fastentage (an Sonntagen fastet man nicht) und beginnt mit dem Aschermittwoch und endet mit dem Ostersamstag.

Sie dient der Vorbereitung und Einstimmung auf das Osterfest und ist gleichzeitig auch eine Zeit der Buße. Der eigene Verzicht sollte anderen zugute kommen.

Das kirchliche Hilfswerk "Misereor" ("Ich habe Erbarmen") gehört in diese österliche Fastenzeit.

Während die Osterzeit eine Zeit der Freude ist, ist die Fastenzeit von Ernst geprägt.

Die Fastenzeit stellt das Leben weniger als Geschenk dar, so wie Weihnachten und Ostern, sondern als Aufgabe. Der Mensch hört, daß er mit dem Geschenk seines Daseins nicht richtig umgegangen ist. Drohend werden ihm die Folgen seines Versagens vor Augen gehalten. Er hört, daß er eigentlich nicht mehr mit Wohlwollen rechnen kann.Die Einführung einer solchen Zeit der Besinnung, der Reinigung ist keine Erfindung des Christentums, sondern findet sich in vielen Kulturen und Religionen. Daß sich die Haltung des Umdenkens, der Buße in Handlungen und Werken ausdrückt, ist anthropologisch notwendig, damit der Sinn dieser Zeit vollzogen wird.

Fasten, Almosen geben, beten sind die Elemente der Fastenzeit. Die Auswirkung der kirchlich vorgegebenen Thematik auf das öffentliche Leben ist kaum noch zu spüren.

Während früher der Speisezettel in der Fastenzeit geändert wurde, vor allem durch den Verzicht auf Fleisch, und Tanzveranstaltungen teilweise sogar durch Gesetze verboten waren, bringt heute die Fastenzeit kaum eine Veränderung. Vorschläge, auf das Rauchen und Süßigkeiten zu verzichten, dürften sich kaum in den Umsätzen des Einzelhandels niederschlagen.

Die Zahl 40 ist ein biblisches Zeitmaß. Vor allem leitet sich die Dauer der Fastenzeit von dem Bericht über eine vierzigtägige Gebets- und Fastzeit her, die Jesus nach der Taufe im Jordan auf sich nahm. Das Alte Testament berichtet, daß Moses, als er vierzig Tage auf dem Berg Sinai war, nichts aß und trank (Ex 34,28; Dtn 99,18), daß Elias 40 Tage zum Berg Horeb wanderte, ohne etwas zu essen (1 Kön 19,8).

 

Eine Woche vor Palmsonntag
Der Passionssonntag

wird jeweils eine Woche vor dem Palmsonntag, dem 1. Tag der Karwoche, begangen. Das Evangelium des Tages erzählt die Gefangennahme Jesu durch die Soldaten des Hohen Priesters. Damit beginnt der alljährlich neu gedachte Abschluß der 40-tägigen Fastenzeit vor dem Osterfest.

Liturgisch bildet diese Zeit einen einheitlichen Spannungsbogen, beginnend mit dem Fastenachtsfest (Vorbabend vor der Fastenzeit), dem Aschermittwoch als dem ersten Tag in der Fastenzeit, der sich anschließenden 40-tägigen Fastenzeit, Passionssonntag und Palmsonntag, sowie der Karwoche mit dem Gründonnerstag und dem Karfreitag.

Das Evangelium des Tages erzählt die Gefangennahme Jesu durch die Soldaten des Hohen Priesters. Damit beginnt der alljährlich neu gedachte Abschluß der 40-tägigen Fastenzeit vor dem Osterfest.

 

Eine Woche vor Ostern
Palmsonntag

Mit ihm beginnt die Karwoche. An diesem Sonntag wird besonders des Einzugs Jesu in Jerusalem gedacht: Palmen (in unseren Breiten in der Regel Buchsbaum) werden gesegnet. In einer feierlichen Prozession wird das Kreuz (Jesus) in die Kirche hineingetragen, begleitet von Meßdienern (und oft auch Kindern), die in ihren Händen die frisch geweihten Buchsbaumwedel tragen. Im Anschluß an den Gottesdienst nehmen die Gläubigen "Palmzweige" mit nach Hause und stecken sie hinter die im Haus befindlichen Kreuze oder auch Weihwasserkessel.

Das Neue Testament berichtet davon, daß Jesus auf einem Esel in die Stadt eingezogen ist. Die Bevölkerung sah in ihm den gekommenen Messias, den Wundertäter, den Retter. Sie jubeln ihm zu, breiten ihre Umhänge über die Straße und winken Jesus jubelnd ("Hosanna!") zu. Es sind die gleichen, die wenig später schreiend von Pilatus verlangen werden, diesen Verräter zu kreuzigen und statt seiner lieber den politischen Terroristen Barrabas freizulassen. Nachzulesen bei Matthäus 21,1 ff, bei Markus 11,1 ff, bei Lukas 19,28 ff oder Johannes 12,12 ff.

 

Der Gründonnerstag
ist der Donnerstag in der Karwoche. Am Abend vor dem Todestag Jesu (dem Karfreitag) erinnert sich die Christenheit des sogenannten Abendmahles. Dieses Abendmahl, das Abschiedsessen Jesu mit seinen engsten Vertrauten, ist der Ursprung des christlichen Hausgottesdienstes (evangelisch: Abensmahlfeier; katholisch: Eucharistiefeier).

Die Christen aller Welt feiern am Gründonnerstagabend die Einsetzung dieses Ritus. Das "Grün" hat mit der farbe Grün nichts zu tun, sondern leitet sich von greinen (althochdeutsch "weinen") ab. Gleichwohl hat das sprachliche Mißverständnis wohl dazu beigetragen, daß traditionell in vielen christlichen Familien an diesem Tag grünes Gemüse (Spinat) gegessen wird.

Der Gründonnerstag zählt bereits zum Karfreitag. Dahinter steht einerseits die jüdisch-christliche Tradition, daß ein Tag nicht um null Uhr, sondern mit dem Sonnenuntergang am Vorabend beginnt und bis zum Sonnenuntergang am Tag selbst dauert. Ähnliche Erfahrungen kennen auch wir von Geburtstagsfeiern, bei denen in den eigentlichen Geburtstag hineingefeiert wird, oder von Neujahrsfeiern, die bereits am Silvesterabend beginnen und mitunter weit ins neue Jahr reichen. Ein liturgisches Element, das sich an den Bericht aus dem Johannesevangelium (13,1-15) orientiert und für die gottesdienstliche Feier am Gründonnerstag-Abend vorgesehen wird, ist die Fußwaschung.

 

Der Karfreitag
ist der Freitag in der Karwoche. Es ist der Überlieferung nach der Todestag Jesu. "Am 15.des Nissan" (Monat des jüdischen Kalenders) mittags um die neunte Stunde, nach unserer "Uhr" nachmittags um drei Uhr am Kreuz auf dem Kalvarienberg bei Jerusalem verstarb Jesus.

Man nennt den Karfreitag regional auch den "stillen Freitag". "Kar" ist abgeleitet vom althochdeutschen "Kara" und bedeutet Kummer, Klage. Im Gedenken an den Tod Jesu findet an diesem Tag keine Eucharistiefeier statt, die einmal an das Abendmahl erinnert, zugleich aber auch Zeichen ist für die Auferstehung. Denn in diesem Altarsakrament ist der auferstandene Christus nach katholischer Überzeugung real, persönlich, als bei Gott lebender Herr (über Leben und Tod)" gegenwärtig.

Dieser Glaube setzt aber die Erfahrung der Auferstehung und des Weiterlebens Jesu voraus. Eine Erfahrung, die kein Mensch an jenem Freitag vorausahnen konnte. Während für katholische Christen das Osterfest der höchste kirchliche Feiertag ist, gilt der Karfreitag bei den evangelischen Christen als höchster Feiertag.

Der Kreuzweg

  1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt
  2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
  3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
  4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter
  5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
  6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
  7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
  8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen
  9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
  10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt
  11. Station: Jesus wird an das Kreuz genagelt
  12. Station: Jesus stirbt am Kreuz
  13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
  14. Station: Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt.

 

Ostern
ist die Feier der Auferweckung Jesu aus dem Tod. Seit dem dritten Jahrhundert ist die Osternacht zugleich auch der Termin der jährlichen Taufnacht. In den ersten beiden Jahrhunderten ist der Festtag keineswegs festgelegt.

Weitverbreitet war die Osterfeier am 14.Nissan, dem Paschafesttermin des jüdischen Kalenders. Andere betonen bewußt die sonntägliche Feier, um sich von der jüdischen Tradition schärfer abzusetzen. Auf Beschluß des Konzils von Nizäa wird schließlich das Osterfest verbindlich auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert.

Der Name Ostern ist vermutlich die Übersetzung von "Morgenröte" (Irrtümlich hatte man die alteinische Bezeichnung "albae" für den Plural von "alba" = Das Morgenrot gehalten, während dieser Begriff die "weißen" Kleider der an Ostern Getauften meint). Die romanischen Sprachen gehen vom jüdischen Wort Pascha aus.

Die lit. Feier der Osternacht

Sie ist in der heutigen Form eine Art Zusammenfassung einer liturgischen Feier, die ursprünglich eine ganze Nacht hindurch dauerte. Im Laufe der Geschichte wurde sie kaum verändert.

Ursprünglich, d. h. ab Mitte des 2. Jahrhunderts, feierten die frühchristlichen Gemeinden innerhalb einer "liturgischen Nacht" (Vigil) die beiden Aspekte des Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi in zwei Phasen: Einer nächtlichen Trauerphase mit Fasten, Wortgottesdienst und Gebet folgte eine frühmorgendliche Freudenphase mit eucharistischem Gedächtnismahl.

Ab dem 4. Jahrhundert wird die Osternacht zu der Tauffeier des Jahres, so daß seitdem eine Tauffeier (später eine Taufgedächtnisfeier) zur Feier der Osternacht gehört. Zur selben Zeit wurde aus einem anderen Gottesdienst die feierliche Entzündung des Lichtes (Osterkerze) in die Feier der Osternacht übernommen.

Im Verlaufe der Osternacht fand also zunächst eine ganze Kette von gottesdienstlichen Feiern statt, die aufeinander folgten und dadurch wie zu einem "Durchzug von der Finsternis in das Licht", zu einer "Feier aus dem Dunkel des Todes in die Herrlichkeit der Auferstehung" wurde. Lichtfeier, Wortgottesdienst, Tauffeier und Eucharistiefeier sind seit alters her die zentralen Elemente der Feier der Osternacht.

Da die Feier der Osternacht die einzige große Feier des Jahres-Ostern war (es gab noch keine Gottesdienste an Gründonnerstag und Karfreitag), ist die Feier der Osternacht nicht einfach eine Auferstehungsfeier. In ihr wird feierlich des gesamten Oster-Sakramentes gedacht, d. h. der Erlösung der Menschheit durch das Leiden und Sterben Jesu Christi und durch seine Auferweckung.

 

Christi-Himmelfahrt
gehört zum "Osterfestkreis". Die vom Evangelisten Lukas und in der Apostelgeschichte geschilderte "Himmelfahrt" (Lk. 24,50) ist eine bildhafte Entfaltung und eine durch zeitliche Entzerrung veranschaulichte Deutung dessen, was mit Jesus bei der Auferweckung geschah:

"Als er (Jesus) das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen." (Apg,1,9-11).

Karfreitag (Tod), Ostersonntag (Auferweckung) und Himmelfahrt sind gleichzeitige Aspekte des Todes Jesu. Gott, der Schöpfer, der Vater hat Jesus aus dem Tod errettet und ihm neues, ein anderes Leben geschenkt und zwar bei Gott, in Gott und mit Gott.

Um Mißdeutungen vorzubeugen, als sei dieses neue Leben, die neue Existenzweise Eigenwerk Jesu, sollte man ähnlich wie bei der "Auferstehung" im Deutschen die Passiv-Formen "Auferweckung" bzw "Aufnahme in den Himmel" verwenden. Entsprechend auch: Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel.

 

Pfingsten
ist im jüdischen Festtagskalender ein Erntedankfest gewesen, es wurde im christlichen Zusammenhang das Fest von der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu: In der Apostelgeschichte, Kapitel 2 heißt es dazu:

"Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab..."

Pfingsten wird traditionell 50 Tage (Pentecoste, d.h. 50-tägige Festzeit) nach dem Osterfest begangen. Häufig wird es in der Praxis auch als Firm-Fest (vgl. Firmung) gefeiert, ein weiteres Fest, das in engem Zusammenhang mit der Sendung des Heiligen Geistes steht.

 
 
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