Weihnachtsfestkreis

4. Sonntag vor dem 25. Dezember
Advent

Advent wird die Vorbereitungszeit auf Weihnachten genannt. Advent (Latein) heißt Ankunft. Auf Weihnachten bezogen, bezeichnet die Adventszeit die Warte- und Vorbereitungszeit auf die Ankunft, die Geburt Jesu.

Der erste Adventsonntag ist der vierte Sonntag vor dem 25. Dezember. Die Dauer dieser Vorbereitungszeit orientiert sich an der alttestamentarischen 40er Zahl: Vierzig Jahre wanderte Moses mit dem Volk durch die Wüste,Vierzig Tage fastete Jesus in der Wüste. vierzig Tage Fastenzeit sind auch vor Ostern vorgeschrieben. Und: Zählt man die 40 Tage nach dem ersten Adventstag weiter, so kommt man auf den 6.Januar, dem Fest der Erscheinung des Herrn, auch Drei Königs Fest genannt; es ist dies noch heute das eigentliche Weihnachtsfest der Ostkirche und in vielen südlichen Ländern wird erst an diesem Tag der Brauch des Geschenkeverteilens begangen.

Durch verschiedene Kalenderreformen in den europäischen und nordischen Ländern entwickelte sich eine andere Zählung. Seitdem ist ,unser" Weihnachtsfest bereits mit dem Heiligen Abend am 24.Dezember gekommen.

Neben den Adventssonntagen werden Wochentage noch besonders durch die sogenannten Rorate-Messen herausgehoben. Rorate ist das Anfangswort des Eingangsverses (Rorate caeli desuper - Tauet Himmel ... Jes 45,2). Rorate-Messen werden an den Samstagen oder täglich in der Zeit vom 17. bis 24. Dezember gefeiert. Die Texte nehmen besonderen Bezug auf Maria. Dadurch, daß in dem seit 1969 gültigen Meßbuch jeder Tag im Advent eigene Texte erhalten hat, sind die Rorate-Messen als besondere Frömmigkeitsübung zurückgegangen.An den letzten sieben Tagen vor Weihnachten, vom 17. bis 24., werden die O-Antiphonen gebetet oder gesungen. Antiphonen sind Gebetsverse. Die O-Antiphonen wenden sich an den kommenden Messias. Sie beginnen jeweils mit "O" und haben daher ihren Namen. Die O-Antiphonen beziehen sich auf Jesus:

  1. O Weisheit, hervorgegangen aus Gottes Mund, mächtig wirkst du in aller Welt, und freundlich ordnest du alles. Komm, o Herr, und lehre uns den Weg der Einsicht.
  2. O Herr und Fürst des Hauses Israel, du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs und gabst ihm das Gesetz am Sinai. Komm, o Herr, und erlöse uns mit starkem Arm.
  3. O Wurzel Jesse, gesetzt zum Zeichen für die Völker. Vor dir verstummen die Mächtigen, zu dir rufen die Völker. Komm, o Herr, und erlöse uns, zögere nicht länger.
  4. O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel, du öffnest und niemand schließt, du schließest und niemand öffnet. Komm, o Herr, und befreie aus dem Kerker den Gefangenen, der da sitzt in Finsternis und im Schatten des Todes.
  5. O Anfang, Glanz des ewigen Lichtes, du Sonne der Gerechtigkeit, komm, o Herr, und erleuchte uns, die wir sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.
  6. O König der Völker, den sie alle ersehnen. Du Eckstein, der das Getrennte eint. Komm, o Herr, und befreie den Menschen, den du aus Erde erschaffen hast.
  7. O Immanuel, Gott mit uns. Du König und Lehrer, du Sehnsucht der Völker und ihr Heiland. Komm, o Herr, und erlöse uns, Herr, unser Gott.

 

8. Dezember
Mariä Erwählung

oder Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

Entstehung
Das ältere Fest der Geburt Marias am 8. September führte zum Datum des 8. Dezember. Das Fest wurde seit dem 8. Jahrhundert im Osten gefeiert, setzte sich aber nicht als Hauptfest durch. In der lateinischen Kirche breitete es sich seit dem 11. Jahrhundert von England her aus, setzte sich aber erst dann durch, als im 14. Jahrhundert die Lehre von der unbefleckten Empfängnis geklärt war.

Aussage
Das Fest stellt die Gestalt Marias in den Mittelpunkt als den Typ des erlösten Menschen. Alles, was über die Außerordentlichkeit Marias, ihre Begnadung und ihre Rolle in der Heilsgeschichte gesagt werden kann, ist in diesem Fest konzentriert. In der lateinischen Kirche ist es das herausragende Marienfest. (Im einzelnen s.o. S. 251f)

Das Dogma
Unter dem Begriff der Unbefleckten Empfängnis versteht die Kirche den Glaube an die von Anfang an ohne Erbschuld auserwählte Mutter Jesu, Maria, die in ihrer innigen Verbundenheit mit dem Heils- und Erlösungswerks ihres Sohnes dank der göttlichen Gnade von dieser Schuld befreit worden ist.

Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens wurde von Papst Pius IX. 1854 verkündet.

 

24. Dezember
Heilig Abend

Der starke familiäre Akzent von Weihnachten prägt den Charakter des Festes und damit auch seine Bezüge zum öffentlichen Leben.

Zumindest am Heiligabend "erstirbt" das öffentliche Leben, weil alle Welt sich in den Bereich der Familie zurückzieht. Die Privatsphäre gilt in diesen Stunden als besonders geschützt.

Obwohl das Schenken zur Konvention geworden ist, hat es doch einen symbolischen Charakter behalten, der allerdings unter dem Zugriff der Werbung seinen Sinngehalt fast verloren hat. Von seinem Ursprung her hat das Geschenk sogar Anspruchscharakter: Die Kinder hatten das Recht, von ihren Paten Geschenke zu erhalten (ursprünglich am Nikolaustag).

Daß der einzelne auch heute ein Anrecht darauf hat, daß ihm etwas geschenkt wird, daß er etwas bekommt, das nicht nur Gegenwert einer Leistung ist, gibt dem Geschenk immer noch seinen besonderen Charakter.

 

24. Dezember
Weihnachten

ist das Fest der Feier der Geburt Jesu Christi. Emotional ist für viele Menschen Weihnachten das wichtigste christliche Fest. Dazu hat sicherlich der besondere Termin, der 24.Dezember, der Tag der Sonnenwende, beigetragen: Nach der längsten Nacht beginnt sich ab hier die Sonne, das Licht und damit auch das Leben durchzusetzen. Diese tiefe symbolische Bedeutung der Sonnenwende hat diesen Tag schon lange vor dem Christentum zu einem besonderen, heiligen und religiös geladenen Tag werden lassen. Und andererseits war es gerade dieser Symbolgehalt des Lichtsieges und des Lebensbeginns, die die junge christliche Kirche dazu bewogen haben, just an diesem Tag die Geburt Jesu zu feiern. Besser als irgendwelche theoretischen Erklärungen konnte die Wahl dieses Tages deutlich machen, was Christen eigentlich in Jesus von Nazareth feiern und von seiner Geburt glauben: Das Leben hat über den Tod gesiegt. Die Dunkelheit ist von den Herzen der Menschen und der ganzen Welt genommen, das göttliche Licht hat die Finsterniß erhellt, die Sonne der Gerechtigkeit und wahrer Menschlichkeit ist aufgegangen.

Jesus wurde wahrscheinlich nicht am 25.12. geboren. Sein Geburtsdatum ist unbekannt und dürfte irgendwann im Jahre 6 vor dem irrtümlich als Geburtsjahr Jesu definierten Jahr "Null" liegen. Die Freude darüber und aus Dankbarkeit über dieses "göttliche Geschenk" der Erlösung ist Begründung dafür, daß Christen an diesem Feiertag einander ebenfalls (kleine) Geschenke machen. Allerdings ist darauf hinzuweisen, daß sich die spezielle "typisch deutsche Weihnacht" mit Tannenbaum, Kugeln, Krippe erst Mitte und Ende des vergangenen Jahrhunderts herausgebildet hat.

 

28. Dezember
Unschuldige Kinder

Im Matthäusevangelium wird berichtet, daß Herodes die Knaben bis zum Alter von zwei Jahren in Bethlehem aus Angst vor einem Rivalen hat umbringen lassen.

Der biblische Bericht greift Elemente der Mosesgeschichte im Buch Exodus 1,16 auf. Der Pharao ließ alle neugeborenen Knaben töten. Überliefert ist auch die Grausamkeit des Herodes, der drei seiner Söhne hinrichten ließ.

Aus der Verbindung beider Motive, Jesus als der neue Moses und die Infragestellung der Herrschaft des Herodes durch den neuen Messias, ist wohl diese Überlieferung entstanden, die die Idylle des Weihnachtsfestes sehr schnell aufhebt.

 

Sonntag nach Weihnachten
Fest der Heiligen Familie

Am Sonntag nach Weihnachten wird ein sehr junges Fest begangen, das erst im 19. Jahrhundert entstanden ist.

Die heilige Familie wird als Vorbild gesehen und ihre Verehrung gefördert.

 

1. Januar
Hochfest der Gottesmutter Maria

Der Neujahrstag ist kein ursprünglich christliches Fest, sondern geht auf die Kalenderreform Cäsars im Jahre 46 zurück, der den Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar verlegte.

Die ausgelassenen Feiern in der Sylvesternacht (nach Papst Sylvester benannt) gehen ebenfalls auf die Römer zurück. In Spanien und Gallien hatte sich im 6. Jahrhundert ein Fest der "Beschneidung des Herrn" herausgebildet, das ein Ereignis der Kindheitserzählungen aufgreift.

In Lk 2,21 heißt es:

"Als acht Tage vergangen waren und das Kind beschnitten werden sollte, erhielt das Kind den Namen Jesus, wie der Engel es genannt hatte, noch bevor es im Mutterschoß empfangen war."

In der Liturgiereform 1969 wurde auf das alte römische Marienfest zurückgegriffen. Es heißt jetzt "Hochfest der Gottesmutter Maria und des Namens Jesu".

Papst Paul VI. hat den 1. Januar zum Weltfriedenstag erklärt. Das Friedensthema wird in den Gottesdiensten aufgegriffen. Von Bedeutung ist auch das jährliche Papstwort zu diesem Tag.

 

6. Januar
Erscheinung des Herrn

Die Volksfrömmigkeit hat aus den drei weisen Magiern der Weihnachtsgeschichte, von denen der Evangelist Matthäus im zweiten Kapitel seines Evangeliums berichtet, jene drei legendären Könige gemacht, die aus dem Morgenland kommend jenem geheimnisvollen Stern folgten, der sie zu dem "neugeborenen König der Juden" bringen sollte. Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar werden den Weisen seit dem 9. Jahrhundert gegeben.

Sie gelten als Vertreter der

  • drei Rassen,
  • der drei Erdteile
  • und der drei Lebensalter.

Die Reliquien der Drei Könige wurden in Mailand verehrt und 1164 nach Köln überführt, wo sie in einem Goldschrein im Dom aufbewahrt werden. Dadurch breitete sich die Verehrung der Drei Könige in Deutschland aus. Mit dem Dreikönigstag ist ein Haussegen verbunden. Über der Tür werden die Jahreszahl und die Namen der Könige mit Kreide aufgezeichnet:

19+C+M+B+96

Die Buchstaben lassen sich auch folgendermaßen deuten:

"Christus Mansionem Benedicat" - Christus segne das Haus.

In den letzten Jahren hat sich ein mittelalterlicher Brauch wiederbelebt. Kinder, Sternsinger genannt, ziehen von Haus zu Haus, dabei wird der Haussegen mit Kreide angebracht. Die Kinder erhalten Gaben, die in den letzten Jahren den Missionswerken zugute kommen. Die Drei Könige sind auch Patrone der Reisenden. Die Gasthausnamen "Mohr", "Stern", "Krone" erinnern daran.

 
 
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